Nach dem Legen einer Periduralanästhesie (PDA) erfahren gebärende Frauen häufig eine deutliche Bewegungseinschränkung des Beckens und der Beine. Hierdurch sind dann alle geburtsrelevanten Bewegungen erschwert. Unter der Geburt wechseln die gebärenden Frauen zwischen verschiedenen Gebärpositionen. Die Unterstützung dieser Positionswechsel stellt für die Hebamme eine körperliche Belastung dar. Oft zeigt sich schon unmittelbar nach dem Legen der PDA, zum Beispiel beim Hochrutschen im Bett oder beim Drehen auf eine Seite, dass die alltäglichen und intuitiven Bewegungen der Gebärenden verändert sind. In diesen Situationen steigt die Beanspruchung des Muskel-Skelett-Systems der Hebamme deutlich an. Zusätzlich entstehen Belastungen durch ungünstige Körperhaltungen bzw. Zwangshaltungen, z. B.
- Vorbeugehaltung des Oberkörpers mit Torsion bei Untersuchungen und Dammschutz etc.
- tiefes Bücken beim Aufwischen von Fruchtwasser oder Stuhl
- kniende/hockende Position mit Vorbeugehaltung bei Geburten auf dem Gebärhocker, am Boden oder in der Gebärbadewanne
- Assistenz bei der Versorgung ausgedehnter Rissverletzungen
Beispiele für Maßnahmen zur Belastungsreduzierung
- Unterstützung des Positionswechsels der Schwangeren (z. B. vom aufrechten Liegen zum Vierfüßlerstand oder vom Sitzen in die tiefe Hocke) durch kinästhetische Arbeitstechniken; bei eingeschränkter Motorik bietet die Kenntnis physiologischer Bewegungsmuster, wie sie das Kinästhetik-Konzept beschreibt, die Möglichkeit zum belastungsärmeren Arbeiten. Erfolgt die Bewegungsunterstützung durch die Hebamme mit einem größeren Fokus auf die funktionale Anatomie der Muskeln und Knochen, kann die Gewichtsübernahme reduziert und die Kontrolle beim Bewegen der gebärenden Frauen erhöht werden.
- Die Anleitung der Schwangeren, die weniger einsetzbaren Beine beim Positionswechsel über die Arme und ihren Oberkörper zu kompensieren, kann die Belastung für die betreuende Hebamme reduzieren.
- Der Einsatz eines an einer Deckenampel oder Deckenschiene befestigten Textilknotens oder Halteseils ist mittlerweile Standard im Kreißsaal. Hierdurch bietet sich den Frauen die Möglichkeit, sich bei der stehenden Geburt festzuhalten. Darüber hinaus kann das Knotentuch auch bei anderen Gebärpositionen sowie beim Positionswechsel im Gebärbett Unterstützung bieten, sofern die Position des Tuches an der Decke veränderbar ist.
- Bei der Geburt auf dem Gebärhocker muss die Hebamme häufig eine belastende hockende oder knieende Position einnehmen. Quader aus Blocschaum mit wischdesinfizierbarem Bezug erlauben ein deutlich bequemeres Arbeiten. Hierfür können mehrere Blöcke unterschiedlicher Größe miteinander kombiniert werden.
- Für das Lagern der bewegungseingeschränkten Frauen kann es hilfreich sein, Gleithilfen in Kombination mit Antirutschmatten einzusetzen.
- Für die Durchführung von Liegendtransfers, z. B. um Frauen zur Notsectio zu befördern, sollte ein Rollbrett/Rollboard benutzt werden.
- Die Auswahl der Kreißsaalbetten oder Gebärlandschaften sollte nach ergonomischen Gesichtspunkten erfolgen.
- Die Aufnahme von Flüssigkeiten am Boden sollte nach Möglichkeit mit Hilfsmitteln (z. B. langstieliger Wischmopp) erfolgen, um ein Bücken zu vermeiden.
- Um den Trainingszustand des Muskel-Skelett-Systems zu verbessern, sollten Mitarbeitende motiviert werden, ein Sportangebot wahrzunehmen. Dies können private Angebote, aber auch Angebote im Rahmen einer betrieblichen Gesundheitsförderung sein.
Weitergehende Informationen finden Sie im Schwerpunktthema “Bewegen von Menschen”.