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Stand: 08/2018

P Arbeitsorganisation

Die Organisation der Transfer- und Lagerungstätigkeiten kann entscheidenden Einfluss auf die körperlichen Belastungen der Beschäftigten nehmen. In der Pflege kann man funktionelle (Funktionspflege) und patientenzentrierte Systeme (z. B. Bezugspflege, Primary Nursing) unterscheiden. In der Regel wird in einer Mischform gearbeitet, in der verschiedene Tätigkeiten innerhalb eines Bereiches funktionell oder patientenzentriert durchgeführt werden.

Bezogen auf körperliche Belastungen ist das Arbeiten in rein funktionalen Systemen wie der „Funktionspflege“ für die Beschäftigten eher ungünstig. Ist beispielsweise eine Pflegekraft für die Bewegungsunterstützung oder Positionsveränderung aller dekubitusgefährdeten Patientinnen und Patienten eines Bereiches zuständig, während eine andere Pflegekraft bei allen Patientinnen und Patienten die Vitalwerte kontrolliert, stellen sich ggf. einseitige körperliche Belastungen ein.

Günstig ist hingegen eine patientenzentrierte Arbeitsorganisation, die es ermöglicht, in einer ergonomisch gestalteten Umgebung die vorhandenen Ressourcen der Patientinnen und Patienten so gut wie möglich zu nutzen. Die wichtigsten förderlichen Aspekte sind dabei:

  • die Auswahl und Schulung eines Konzepts zum rückengerechten Bewegen von Patientinnen und Patienten
  • eine ausreichende Ausstattung mit technischen und kleinen Hilfsmitteln
  • eine Pflegeplanung, die das gewählte Konzept zum rückengerechten Bewegen von Patientinnen und Patienten und den entsprechenden Hilfsmitteleinsatz verbindlich festlegt
  • ein ausreichender Personalschlüssel, der eine stabile Dienstplangestaltung ermöglicht
  • die Überprüfung der Umsetzung der geschulten Konzepte und Anwendung der festgelegten Hilfsmittel durch verantwortliche Führungskräfte (z. B. im Rahmen von Pflegevisiten) vor Ort

Um eine patientenzentrierte Arbeitsorganisation zu ermöglichen, ist eine adäquate Personalausstattung notwendig. Ist diese ausreichend, können die belastenden Tätigkeiten auf mehrere Beschäftigte verteilt oder auch zu zweit durchgeführt werden. Das gravierendste Problem in Bezug auf die körperliche Belastung sind dabei meist die Nachtschichten, in denen einzelne Beschäftigte oft für größere Bereiche oder Patientengruppen verantwortlich sind. Stürzt beispielsweise ein Patient zu Boden, ist es in der Regel nicht möglich, ihn ohne die Unterstützung weiterer Beschäftigter rückengerecht wieder auf eine höhere Ebene zu transferieren. Die Arbeitsorganisation des Hauses muss gewährleisten, dass andere Personen auch nachts jederzeit zu Hilfe geholt werden können und entsprechende Hilfsmittel einsatzbereit und funktionsfähig vor Ort sind.

Haben die Pflegekräfte durch ausreichende Personalausstattung mehr Zeit zur Verfügung, können sie die noch vorhandenen Bewegungsressourcen ihrer Patientinnen und Patienten genauer analysieren und vermeiden unnötige Transfervorgänge.

Nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Patientinnen und Patienten profitieren somit von einer patientenzentrierten Arbeitsorganisation, da in dieser ihre Ressourcen besser einbezogen und gefördert werden. Durch die klare Zuständigkeit und den längeren und stetigeren Kontakt zwischen Patientin bzw. Patient und Pflegekraft wächst ein Vertrauensverhältnis, das sich positiv auf die Qualität der pflegerischen Versorgung auswirkt.