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Stand: 09/2016

AP CMR-Arzneistoffe

CMR-Arzneistoffe sind Arzneimittel, die als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft worden sind. Eine Auflistung von CMR- Stoffen findet sich in der TRGS 905 „Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe“. Die meisten Zytostatika greifen am genetischen Material an und schädigen, therapeutisch angewendet, vor allem die wachstumsintensiven Tumorzellen. Durch ihren Wirkmechanismus haben viele dieser Therapeutika selbst krebserzeugende Eigenschaften, und man muss davon ausgehen, dass sie den Kategorien 1 („bekanntermaßen krebserzeugend“) oder 2 („sollte als krebserzeugend angesehen werden“) zuzuordnen sind (TRGS 905, Ziffer 2.1).

Einige Substanzen wirken zusätzlich bei direktem Kontakt reizend, aber bisher wurde nur selten über akute lokale Wirkungen berichtet. Derzeit gibt es noch keine wissenschaftlich belegten Dosis-Wirkungs-Beziehungen, ab welcher Menge eine Gefahr bei nicht therapeutischer Anwendung gegeben ist. Aber aufgrund der Wirkweise der Substanzen, ist beim Umgang mit CMR Arzneistoffen besondere Vorsicht geboten.

Bei Arzneimitteln mit krebserzeugenden, erbgutverändernden und fortpflanzungsgefährdenden Eigenschaften hat der Arbeitgeber alle Arbeitsbereiche zu erfassen, in denen Beschäftigte Tätigkeiten mit CMR-Arzneimitteln durchführen. Alle CMR-Arzneimittel, mit denen offen umgegangen wird, oder die zu applikationsfertigen Zubereitungen verarbeitet werden, sind im Gefahrstoffverzeichnis aufzuführen (Ziffer 5.1, Abs. 1, TRGS 525 v. 9/2014). Vor Beginn der Tätigkeiten hat der Arbeitgeber alle erforderlichen Informationen für die Gefährdungsbeurteilung zu beschaffen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen festzulegen. Insbesondere muss mit einer Gefährdung der Beschäftigten in Bereichen mit folgenden Tätigkeiten gerechnet werden:

1. Auspacken von Originalverpackungen mit der Gefahr von Restanhaftungen auf der Oberfläche der Primärverpackung,

2. Zubereiten,

3. Applizieren (Verabreichen) von Injektionen, Infusionen, Instillationen, Aerosolen, Salben,

4. Beseitigen und Entsorgen von Erbrochenem nach oraler Arzneimittelapplikation,

5. Beseitigen und Entsorgen von Urin und Stuhl von Patienten unter CMR-Hochdosistherapien,

6. Entsorgen von CMR-Arzneimitteln und -resten sowie entsprechend verunreinigter Materialien einschließlich Bruch,

7. Handhaben von verunreinigten Textilien,

8. Reinigen verunreinigter Flächen und Geräte.

(TRGS 525 v. 9/2014)

Wirkweisen (gekürzt aus der DGUV Information 207-007, GUV-I 8533 „Zytostatika im Gesundheitsdienst“, Ziffer 2.1):

  1. Alkylanzien gehen eine chemische Reaktion mit dem Erbgut ein und verursachen Fehler (Mutationen,...) bei der Synthese (z. B. Bendamustin, Busulfan, Carboplatin, Carmustin, Chlorambucil, Cisplatin, Cyclophosphamid, Dacarbazin, Ifosfamid, Melphalan, Mitomycin, Nimustin und andere Nitrosoharnstoffe, Oxaliplatin, Thiotepa, Treosulfan).
  2. Antimetabolite werden anstelle der richtigen Bausteine (von DNA oder RNA) in die Erbsubstanz eingebaut und hemmen als falsche Substrate die Synthese   (z. B. Capecitabin, Cytarabin, Fludarabin, Fluorouracil, Gemcitabin, Mercaptopurin, Methotrexat, Tioguanin).
  3. Mitosehemmstoffe hemmen die Zellteilung (z. B. Vinblastin, Vincristin, Vindesin, Vinorelbin, Docetaxel, Paclitaxel).
  4. Topoisomerasehemmstoffe hemmen Enzyme, die die DNA in die richtige räumliche Position für den korrekten Ablesevorgang bringen. Die Synthese wird so ebenfalls gehemmt (Beispiele: Irinotecan, Topotecan, Aclarubicin, Dactinomycin, Daunorubicin, Doxorubicin, Epirubicin, Etoposid, Idarubicin, Mitoxantron).
  5. Monoklonale Antikörper haben meist reproduktionstoxische Eigenschaften.
  6. Sonstige zytotoxische Substanzen mit noch ungeklärten Wirkweisen.

Einstufungskriterien für CMR-Arbeitsstoffe
nach Anhang VI zur RL 67/548 EWG, Nr. 4.2.1:

Kategorie 1
Stoffe, die beim Menschen bekanntermaßen krebserzeugend wirken. Es sind hinreichende Anhaltspunkte für einen Kausalzusammenhang zwischen der Exposition eines Menschen gegenüber dem Stoff und der Entstehung von Krebs vorhanden.

Kategorie 2
Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten. Es bestehen hinreichende Anhaltspunkte zu der begründeten Annahme, dass die Exposition eines Menschen gegenüber dem Stoff Krebs erzeugen kann. Diese Annahme beruht im Allgemeinen auf:

  • geeigneten Langzeit-Tierversuchen
  • sonstigen relevanten Informationen

Kategorie 3
Stoffe, die wegen möglicher krebserregender Wirkung beim Menschen Anlass zur Besorgnis geben, über die jedoch nicht genügend Informationen für eine befriedigende Beurteilung vorliegen. Aus geeigneten Tierversuchen liegen einige Anhaltspunkte vor, die jedoch nicht ausreichen, um einen Stoff in Kategorie 2 einzustufen.

Eine Übersichtstabelle über die Einstufung verschiedener Zytostatika nach Gefahrstoffrecht ist im Anhang der DGUV Information 207-007, früher GUV-I 8533 „Zytostatika im Gesundheitsdienst“, im Kapitel 10 zu finden. Die Übersicht kann neben den Herstellerangaben als Hilfe verwendet werden, um für den jeweiligen Stoff die von ihm ausgehende Gefährdung zu ermitteln. Nachfolgend müssen geeignete Schutzmaßnahmen vom Arbeitgeber für den Umgang mit dem jeweiligen Stoff  festgelegt werden.