Stand: 06/2018

NA Medikamentengabe

Medikamente helfen, Patienten zu heilen, Schmerzen zu lindern oder eine Verschlimmerung einer Erkrankung zu vermeiden. Aber Medikamente und ihre Wirkstoffe können auch Nebenwirkungen haben, miteinander in unerwünschter Weise in Wechselwirkung treten oder bei wiederholter Anwendung an Wirksamkeit verlieren.

Diese unerwünschten Eigenschaften sind für Patienten das kleinere Übel und müssen zugunsten des therapeutischen Nutzens in Kauf genommen werden. Die Beschäftigten im Gesundheitsdienst aber, die Medikamente verabreichen, müssen vor diesen Risiken geschützt werden.

Besonders gefährlich sind Medikamente mit krebserzeugenden, erbgutverändernden, fruchtschädigenden und fruchtbarkeitsschädigenden (KMR-)Eigenschaften. Dies können beispielsweise Steroidhormone, Zytostatika oder Virustatika sein.

Da Arzneimittel nicht der allgemeinen Kennzeichnungspflicht für Gefahrstoffe unterliegen, ist das Risiko nicht unmittelbar erkennbar. Daher muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermittelt werden, ob die eingesetzten Medikamente KMR-Eigenschaften besitzen. In diesem Fall sind spezielle Schutzmaßnahmen erforderlich.

Aber auch darüber hinaus bestehen Risiken. So können Beschäftigte etwa Allergien gegen bestimmte Medikamente entwickeln.

Aufgrund dieser Gefahren ist die Exposition gegenüber Medikamenten grundsätzlich möglichst gering zu halten.

Darreichungsformen, bei denen eine Exposition der Beschäftigten möglich ist, sind beispielsweise:

  • Nicht überzogene Tabletten, Granulate, Pulver
  • Tropfen
  • Inhalationslösungen, Sprays
  • Injektions- und Infusionslösungen
  • Salben und Lösungen zum Einreiben

Tätigkeiten mit erhöhtem Expositionsrisiko sind etwa:

  • Teilen und Mörsern von Tabletten
  • Vorbereiten und Verabreichen von Infusionen
  • Wechseln, Entlüften, Entfernen von Infusionssystemen
  • Auftragen von Arzneimitteln zur äußeren Anwendung
  • Anwendung und Verabreichung von Inhalaten

Schutzmaßnahmen

Beim Umgang mit Medikamenten sollten grundsätzlich direkter Hautkontakt sowie die Entstehung von Stäuben und Aerosolen vermieden werden. Dies kann z. B. erreicht werden durch:

  • Das Tragen von Schutzhandschuhen beim Vorbereiten und Verabreichen von Medikamenten sowie beim Reinigen von Gefäßen und Hilfsmitteln
  • Die Verwendung von Hilfsmitteln wie Spatel, Pinsel und Applikatoren
  • Die Benutzung geschlossener Tablettenteiler und Mörser
  • Das Entlüften von Spritzen in einen Tupfer
  • Die Verwendung von Druckentlastungssystemen mit Aerosolfilter

Bei längeren Tragezeiten von Schutzhandschuhen ist ein ausreichender Hautschutz sicher zu stellen.

Notfall- und Reinigungsset

Bei der Vorbereitung und Verabreichung von Medikamenten mit KMR-Eigenschaften (z. B. Zytostatika) ist für den Fall einer unbeabsichtigten Freisetzung ein Notfall- und Reinigungsset („Spill-Kit“) zur Aufnahme und Beseitigung von verschüttetem Material mit besonderer persönlicher Schutzausrüstung bereitzuhalten und Mitarbeitern sind die Maßnahmen zur Beseitigung von KMR-Arzneimitteln bekannt zu machen.

Mutterschutz

Im Normalfall ist der Umgang mit Medikamenten für werdende und stillende Mütter möglich, wenn die allgemeinen Schutzmaßnahmen (z. B. das Tragen von Schutzhandschuhen) eingehalten werden.

Ausgenommen hiervon sind Medikamente mit KMR-Eigenschaften. Aufgrund der chronisch schädigenden Eigenschaften dürfen werdende und stillende Mütter damit keinen Umgang haben. Problematisch sind auch Patienten, die gerade eine Chemotherapie durchlaufen. Da sämtliche Ausscheidungen dieser Patienten Zytostatika enthalten können, ist der Kontakt unbedingt zu vermeiden.

Grundsätzlich ist für werdende und stillende Mütter eine gesonderte Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, aus der die spezifischen Gefährdungen und Schutzmaßnahmen hervorgehen (MuSchG). Weitere Hinweise dazu finden Sie hier.