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Stand: 04/2017

V Büromöbel

Wer seinen Arbeitsalltag im Wesentlichen im Büro zubringt, macht mit den Büromöbeln buchstäblich hautnah Erfahrungen. Gesund bleiben am Schreibtischarbeitsplatz  – das kann zwar kaum nur durch gute Büroausstattung gelingen, weil dazu Bewegung und körperlicher Ausgleich unverzichtbar sind. Andererseits laufen die persönlichen Bemühungen zur körperlichen Gesunderhaltung aber ins Leere, wenn jeden Werktag über viele Stunden mit ungeeignetem oder falsch eingesetztem Mobiliar gearbeitet wird. Das gilt erst recht, wenn schon Beschwerden da sind. Auch wenn der Zusammenhang zwischen gut gestalteten Büromöbeln und geringeren gesundheitsbedingten Ausfällen im Einzelfall meist kaum zu belegen ist, kann und sollte doch davon ausgegangen werden, dass z. B. ein guter Stuhl sich schon durch wenige Tage eines vermiedenen Arbeitsausfalls etwa wegen Rückenbeschwerden auszahlt.


Arbeitsdrehstühle

Dauerhaftes Sitzen ist nicht vorteilhaft für die Gesundheit – daran ändert der beste Arbeitsdrehstuhl nichts. Um dem möglichst umfassend entgegenzuwirken, hat sich das Konzept des dynamischen oder bewegten Sitzens bewährt. Während der Schreibtischarbeit sollen möglichst viele verschiedene Sitzhaltungen umsetzbar sein, wobei insbesondere der untere Rücken immer so abgestützt bleiben soll, dass die Wirbelsäule nicht zu weit von der Position abweicht, die sich beim aufrechten Stehen ergibt.


In der Praxis sind für Arbeitsdrehstühle folgende Aspekte relevant:

Fünf gebremste Rollen

Jeder Arbeitsdrehstuhl hat fünf gebremste Rollen.
Achtung bei Umzügen oder Renovierungen: Die Stuhlrollen müssen zum Bodenbelag passen: Hartbodenrollen sind für Kunststoff-, Laminat- oder Fliesenbeläge geeignet, Weichbodenrollen für Textilbeläge. Andernfalls rollen die Stühle entweder gefährlich schnell – oder gar nicht!

Höhenverstellbarkeit

Standardgasdruckfedern von Arbeitsdrehstühlen sind für den größten Teil der Nutzerinnen und Nutzer geeignet, für sehr kleine oder sehr schwere Personen aber nicht. Lässt sich z. B. der Stuhl nicht niedrig genug einstellen, ist eine entspannte Sitzhaltung für kleine Menschen auf Dauer nicht möglich. Die meisten Lieferanten bieten aber Modelle mit verkürzter Federstütze an, ebenso wie verstärkte Ausführungen, die eine angemessene Lebensdauer auch bei sehr schweren Nutzerinnen und Nutzern sicherstellen. Darauf ist bei der Beschaffung zu achten.

Sitzfläche und Bezug

Die Qualität eines Stuhles ist oft an der Polsterung zu erkennen. Sie sollte ausreichend weich und dauerhaft stabil sein. Ein feuchtigkeitsausgleichender Bezug verhindert bei leichter Bekleidung und sommerlichen Temperaturen störendes Schwitzen. In patientennahen Bereichen muss aber aus hygienischen Gründen leider oft auf abwischbaren und damit leicht zu desinfizierenden Bezügen bestanden werden, die dann nicht atmungsaktiv sind.
Die Sitzfläche sollte idealerweise etwa eine Handbreit vor dem gebeugten Unterschenkel enden. Ist sie etwas kürzer, stellt das kein Problem dar. Oft sind Sitzflächen moderner Stühle auch in der Tiefe verstellbar. Störend ist eher eine zu tiefe Sitzfläche für kleine Personen, die so die Rückenlehne kaum nutzen können. Dann ist ein kleineres Modell erforderlich.
Eine relativ neue Entwicklung sind in alle Richtungen beweglich aufgehängte Sitzflächen, die besonders den Beckenbereich mobilisieren und die Rückenmuskulatur aktivieren können.


Rückenlehne

Eine ergonomisch gestaltete Rückenlehne ist das Herzstück eines guten Arbeitsdrehstuhles. Oft entscheidet sich hier, ob ein Modell seinen Preis wert ist, und nur, wenn die Nutzerinnen und Nutzer entsprechend ein- und unterwiesen sind, kann sich diese Investition auszahlen. Eine dynamische, also eine in permanentem Rückenkontakt stehende und gewichtsanpassbar bewegliche Rückenlehne sollte bei einem zeitgemäßen Arbeitsdrehstuhl selbstverständlich sein, ebenso die Höheneinstellbarkeit der Lendenstütze. Ist die Rückenlehne nur ohne Gewichtsanpassung beweglich, handelt es sich lediglich um eine Einstellhilfe, die zum wirklich dynamischen Sitzen nicht geeignet ist. Das Gleiche gilt, wenn das Dynamikgelenk schlecht gestaltet ist, sodass z. B. bei Bewegung die Kleidung im Rücken verschoben wird – ein unangenehmer Effekt.
Eine einstellbare, also in der Stärke veränderbare Lendenstütze ist nur in manchen Fällen eine brauchbare, bei guter Gesamtgestaltung aber eher entbehrliche Option.
Die Höhe der Rückenlehne ist nicht ausschlaggebend für die ergonomische Qualität des Stuhles. Wesentlich ist die Stütze im unteren Rücken, die insgesamt für eine entspannte stabile Sitzhaltung sorgt. In Höhe der Schulterblätter ist vor allem Bewegungsfreiheit gefragt.

Armstützen

Armstützen werden manchmal als angenehm zur Entspannung von Schultern und Armen empfunden, und sie helfen insbesondere Menschen mit bestehenden Rückenproblemen beim rückenschonenden Aufstehen. Leider ist es nicht zu verhindern, dass größenentsprechend eingestellte Armstützen mit der Schreibtischkante kollidieren, was lästig sein und zu geklemmten Fingern oder Schäden am Mobiliar führen kann. Gerade wer dynamisch sitzt und viel Bewegungsfreiheit am Schreibtisch schätzt, ist ohne Armstützen daher oft besser bedient bzw. sollte sie ganz tief einstellen. Am besten ist es, wenn die Nutzerinnen und Nutzer zwischen beiden Varianten wählen können.

Schreibtische

Arbeitshöhe

Schreibtische sollen idealerweise höheneinstellbar sein. Anders lässt sich eine ergonomisch akzeptable Sitzhaltung für Menschen unterschiedlicher Körpergröße kaum erzielen. Ausgehend von der optimalen Sitzhöhe auf dem Stuhl kann so die Arbeitshöhe des Tisches passend eingestellt werden. An nicht höheneinstellbaren Arbeitsflächen, die zu hoch ausfallen, kann für kleine Nutzerinnen und Nutzer eine Fußstütze Abhilfe schaffen, was gegenüber einer richtig eingestellten Tischplatte aber immer nur die weniger gute Lösung darstellt. Wo tatsächlich eine feste Arbeitshöhe unvermeidlich ist (manchmal z. B. in Untersuchungsbereichen oder Pflegestützpunkten), sollte sich diese in Abhängigkeit von der Größe der Beschäftigten zwischen 72 und 74 cm bewegen.
Ergonomisch besonders günstig sind höhenverstellbare Tische, wie z. B. Sitz-Steh-Tische, die jederzeit elektrisch oder mit einem Druckfedersystem auf die jeweils gewünschte Arbeitshöhe gebracht werden können, auch von wechselnden Nutzerinnen und Nutzern.


Arbeitsfläche

Nach Arbeitsstättenverordnung müssen Arbeitsflächen so bemessen sein, dass alle Arbeitsmittel und –materialien flexibel angeordnet werden können und vor der Tastatur noch ausreichend Platz zur Ablage der Hände bleibt. Als ein üblicher Standard gilt ein Schreibtisch von 80 x 160 cm für normale Büroarbeiten mit geringem bis mäßigem Einsatz von Unterlagen. Wenn so gut wie keine Unterlagen und keine weiteren Arbeitsmittel benötigt werden, können auch 120 x 80 cm ausreichend sein.

In vielen Fällen sind aber auch deutlich größere Arbeitsflächen erforderlich, z. B. in Buchhaltung und Controlling sowie bei der Codierung von Patientenakten, wo bis jetzt meist noch mit zahlreichen und z. T. großflächigen Unterlagen gearbeitet wird. Auch wenn Zusatzgeräte wie Scanner, Etikettendrucker oder Kartenlesegeräte verwendet werden, kann der Platzbedarf höher sein.

Wichtig ist, dass überall da, wo am Tisch gearbeitet werden soll, ausreichend Beinraum freibleibt. Auch wenn wenig Platzreserven am Arbeitsplatz zur Verfügung stehen: Abfallbehälter, Rechnergehäuse, die Papierreserve für den Drucker oder auch private Körbe und Taschen gehören im Arbeitsbereich nicht unter den Tisch, denn zu wenig Beinfreiheit führt zu einer verkrampften Arbeitshaltung und den entsprechenden gesundheitlichen Beschwerden.

Gestaltung

Die Oberfläche eines Schreibtisches sollte reflexionsarm sein und gerundete Kanten haben, um störende Druckstellen an der Auflagestelle der Unterarme zu vermeiden.
Bewährter Standard für Stauraum am Schreibtisch sind rollbare Schreibtischcontainer, die viel mehr Flexibilität ermöglichen als feste Schubladenblöcke.

Schränke und Regale

Bei der Beschaffung von Schränken und Regalen muss darauf geachtet werden, wie Art und Gestaltung der Möbel direkte Auswirkungen auf die Arbeitsabläufe im Büro haben. Z. B. sind geschlossene Schränke, denen heute oft der Vorzug vor offenen Regalen gegeben wird, zwar optisch ansprechender und ermöglichen einen Zugriffsschutz, die Türbedienung kann bei häufigen Zugriffen aber sehr unpraktisch sein, oder die Türen bleiben offen stehen, was ein Unfallrisiko bedeutet. Schiebetüren haben den Vorzug, dass sie weniger Funktionsfläche (die zum Öffnen der Tür benötigte Fläche) nötig haben, ermöglichen aber keinen Überblick über den gesamten Inhalt auf einmal. Was hier im Einzelfall am Arbeitsplatz sinnvoll ist oder nicht, muss tätigkeitsabhängig entschieden werden, wirkt sich auf den gesamten Arbeitsfluss aus und ist damit auch ein Thema für Sicherheit und Gesundheitsschutz. Dabei ist durchaus Kreativität (und gute Fachberatung) gefragt: Eine geeignete Möblierung kann etwa viel dazu beitragen, dass ein kleiner oder ungünstig geschnittener Raum effektiv und zuträglich genutzt werden kann. Auch können potenziell konfrontative Situationen, etwa bei Kundenverkehr im Büro, durch einen passend platzierten halbhohen Schrank mit Thekenaufsatz wirkungsvoll entschärft werden. Dieser wird an der in Richtung der Raumtür gerichteten Schmalseite der Tische montiert und führt dazu, dass Besucher und Kunden von dort aus in Kontakt mit den Sachbearbeitern treten.

Schränke und Regale müssen standsicher aufgestellt sein, und zwar bei jedem Betriebszustand, also auch mit geöffneten Türen oder Schubladen. Dabei sind die Herstellerangaben zu berücksichtigen. Im Zweifel gilt: lieber eine Kippsicherung mehr als eine zu wenig installieren.

Wenn alle Fächer und Ablageflächen so angeordnet werden können, dass sie auf dem Boden stehend gut erreicht werden können, ist das besonders vorteilhaft für einen zügigen Arbeitsablauf und die Sicherheit. Wenn das aus Platzgründen nicht möglich ist, müssen geeignete Aufstiegshilfen griffbereit sein. Besser als einfache (Roll-)Tritte sind dabei Tritte mit Haltebügeln geeignet, mit denen auch weniger trittsichere Beschäftigte gut arbeiten können und die es ermöglichen, beide Hände zur Arbeit einzusetzen.


Beschaffung von Arbeitsdrehstühlen

An Arbeitsdrehstühle werden im Betrieb viele unterschiedliche Anforderungen gestellt – außer Brauchbarkeit in der Nutzung sind oft auch der optische Eindruck und nicht zuletzt der Preis wichtige Kriterien. Darüber sollte aber nicht vergessen werden, dass ein Arbeitsdrehstuhl in erster Linie das wesentliche Hilfsmittel zum ergonomischen Sitzen für Beschäftigte am Büroarbeitsplatz ist und vor allem dafür geeignet sein muss.

Es ist ähnlich wie bei Schuhen – auch ein gut gestaltetes Modell passt nicht automatisch jeder Nutzerin oder jedem Nutzer. Grundsätzlich sollten Arbeitsdrehstühle daher nicht ohne „Anprobieren“ gekauft werden. Allerdings kommt ein größeres Haus aus organisatorischen und wirtschaftlichen Gründen nicht darum herum, Sammelbeschaffungen vorzunehmen.

Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, unter Beteiligung aller zuständigen Abteilungen und betrieblichen Expertinnen und Experten wie Einkauf, Verwaltung, Betriebsärztin oder Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit ein Konzept zur Beschaffung von Arbeitsdrehstühlen festzulegen. Danach können z. B. nach gründlicher Erprobung ein oder zwei Standardstühle ausgewählt werden, die den Beschäftigten zur Verfügung stehen – ggf. in unterschiedlichen Ausstattungsvarianten, mit oder ohne Armstützen, mit unterschiedlichen Bezügen oder abwaschbar für patientennahe Bereiche. Damit kommt erfahrungsgemäß die große Mehrheit der Beschäftigten gut zurecht. Nur wo das nicht der Fall ist, in der Regel für sehr große oder sehr kleine Beschäftigte und für solche mit spezifischen körperlichen Bedürfnissen z. B. nach Vorerkrankungen, müssen nach Beratung durch interne und externe Fachleute Sonderbeschaffungen vorgenommen werden, wobei ein gut aufgestellter Hauslieferant hilfreich ist.  

Wenig vorteilhaft ist es, wenn für jede neu einzurichtende Abteilung unabhängig Beschaffungen vorgenommen werden. Erst recht, wenn dabei nach außerfachlichen Kriterien verfahren wird. Im Ergebnis ist dann eine unübersichtliche Vielfalt von Modellen und Lieferanten in einem Haus vertreten und es ist kaum mehr möglich, die erforderliche ergonomische Qualität und Passgenauigkeit sicherzustellen und für Beratung, Reparaturen und Sonderbeschaffungen die nötigen Ansprechpartner zu haben.

Der Markt bietet eine Fülle an Arbeitsdrehstühlen mit unterschiedlichen und manchmal sehr ausgefallenen Sitzkonzepten an – Sattel- und Ballstühle, Kniehocker, Stühle mit geteilter Rückenlehne usw., die z. T. sehr offensiv und mit großen Versprechungen beworben werden. Hier gilt: Solche Stühle können Menschen oft zwar durchaus helfen, mit weniger Beschwerden durch den Arbeitsalltag am Schreibtisch zu kommen. Insbesondere, wenn in speziellen Fällen nach entsprechender medizinischer Beratung z. B. im Rahmen einer Reha-Maßnahme ein spezieller Stuhl empfohlen wird, kann er eine wirkungsvolle Hilfe für die berufliche Eingliederung sein.
Für die flächendeckende Ausstattung im Betrieb sind ausgefallene Sitzkonzepte aber weniger geeignet, weil sie einiges an Aufmerksamkeit und Akzeptanz von der Nutzerin bzw. vom Nutzer verlangen. Es kann sogar vorkommen, dass sie den Anforderungen an Ergonomie und Standsicherheit schlicht nicht entsprechen. Mit guten Standardstühlen können hingegen die Bedürfnisse einer großen Anzahl der Beschäftigten erfüllt werden und sie bieten in der Regel ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.


Ausstattung mit höhenverstellbaren Tischen

Bereits seit vielen Jahren sind Arbeitstische verfügbar, die nicht nur (mit Werkzeug und Unterstützung einer technisch fachkundigen Person) einmalig auf die gewünschte Höhe eingestellt, sondern jederzeit nach Bedarf verstellt werden können. Grundsätzlich ist das eine ergonomisch sehr hilfreiche Funktion, sei es, wenn, wie häufig in Pflege- und Funktionsbereichen der Fall, Personen unterschiedlicher Größe den Platz nutzen, aber erst recht, wenn dadurch abwechselnd im Sitzen oder Stehen gearbeitet werden kann. Mittlerweile ist das Angebot an Sitz-Steh-Tischen recht groß geworden und die Preise damit erschwinglicher. Sie liegen aber immer noch deutlich über denen konventioneller Tische. Dadurch ist eine Vollausstattung mit Sitz-Steh-Tischen nach wie vor die Ausnahme, zumal sich zwar immer mehr, aber längst nicht alle Beschäftigte eine solche Lösung wünschen. Ziel einer guten Gesundheitsförderung sollte aber sein, mit der Beschaffung eines Sitz-Steh-Tisches nicht so lange zu warten, bis eine betroffene Person manifeste Rückenprobleme hat und daher kaum mehr in der Lage ist, dauernd im Sitzen zu arbeiten. Noch viel mehr macht sich eine solche Investition ja bezahlt, wenn sich damit eine schwere Rückenerkrankung und die damit verbundenen Ausfallzeiten vermeiden lassen. Wer sich für einen Sitz-Steh-Tisch interessiert, sollte darüber aufgeklärt sein, dass eine entlastende Wirkung nur dann zu erzielen ist, wenn wirklich häufig, mindestens mehrmals am Arbeitstag zwischen Sitzen und Stehen gewechselt wird. Schließlich ist dauerndes Stehen keinesfalls ein ergonomischer Gewinn, sondern ebenfalls eine Belastung für Rücken, Gefäße und Füße – erst recht für Menschen, die ein hohes Körpergewicht haben.