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Stand: 09/2020

V Analyseverfahren

Viele Belastungsfaktoren lassen sich durch Beobachtung ermitteln. So kann z. B. die Häufigkeit von Überstunden leicht beurteilt werden. Auch häufige Arbeitsunterbrechungen oder fehlende bzw. nicht ausreichende Arbeitsmittel, wie beispielsweise Computerarbeitsplätze zur Pflegedokumentation, sind schnell ausgemacht. Hier können schnell erste Lösungsansätze entwickelt und umgesetzt werden.

Für eine Analyse und Beurteilung der Belastungssituation insgesamt eignen sich Mitarbeiterbefragungen. Mitarbeiterbefragungen lassen erkennen, wo Belastungsschwerpunkte liegen und somit Maßnahmen am dringlichsten sind.

Die Unfallversicherungsträger, aber auch andere professionelle Anbieter bieten Befragungsinstrumente an, mit denen gezielt die psychischen Belastungen ermittelt werden können. Je nach Umfang des Angebotes werden nach der Analyse bereits Handlungsempfehlungen gegeben.

Andere erfolgversprechende Methoden sind die moderierte Gefährdungsbeurteilung sowie die Arbeitssituationsanalyse, die sich im Ansatz sehr ähneln.

Dabei geht es darum, mithilfe eines Moderators innerhalb einer homogenen Gruppe von Beschäftigten gemeinschaftlich die wesentlichen Belastungs- und Gefährdungsfaktoren zu ermitteln. Der Vorteil dieser Vorgehensweise besteht darin, dass die Beschäftigten aus ihrer Sicht benennen, wodurch sie sich belastet oder gefährdet sehen. Hieraus ergibt sich ein realitätsnahes Belastungsbild aus der Sicht der Betroffenen. Wichtig bei dieser Methodik ist es, dass immer nur Beschäftigte einer Hierarchieebene (nur Führungskräfte, nur Pflegekräfte, nur Assistenzärzte usw.) an dem Workshop teilnehmen, weil sonst die erforderliche Offenheit nicht zustande kommt.

Das Verfahren ist auch geeignet, gemeinsam mit den Teilnehmern Lösungsansätze zu entwickeln. Hier kommt dem Unternehmen die Problemlösungskompetenz der Beschäftigten bezüglich ihres eigenen Arbeitsplatzes zugute. Voraussetzung ist, dass die Unternehmensleitung grundsätzlich bereit ist, die Vorschläge der Teilnehmer zu prüfen und möglichst auch umzusetzen.

Der große Vorteil dieser Methode ist neben dem partizipativen Ansatz die enorme Effizienz. Bereits innerhalb weniger Stunden können Probleme präzise analysiert und wirksame Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet sein.